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Jan
23

Die Spekulation ist eine anthropologische Kontante

Ein Soziologe über die Krise des digitalen Börsenkapitalismus

Die Spekulation ist eine anthropologische Kontante

Sacha Szabo im Gespräch

Seit nunmehr drei Jahren torkelt die Welt von einer Wirtschaftskrise in die andere. Gerade jetzt wieder steht der Bonitätsverlust von Italien im Raum. Wirtschaftsexperten überschlagen sich mit Rettungsmodellen für angeschlagene Volkswirtschaften. Volkwirtschaftliche Begriffe sickern in den Alltag ein und verunsichern die Bevölkerung. Handelt es sich nur um eine Krise des Kapitals oder gar um die Krise des Kapitalismus? Wir sprachen bewusst nicht mit einem Wirtschafts- sondern mit dem Kulturwissenschaftler Dr. Sacha Szabo in der Hoffnung, einen anderen Blick auf die Wirklichkeit zu erhalten.

Was hat ein Unterhaltungswissenschaftler mit Wirtschaft zu tun?

Sacha Szabo: Nun zum einen begeistert mich der spielerische Aspekt der Börse, zum anderen aber, war Marx das Prüfungsthema für meine Magisterprüfung, wie sich das meiner Meinung nach für einen Soziologen gehört. Und auch wenn das schon 15 Jahre her und Marx inzwischen über 120 Jahre tot ist, so sind doch viele seiner Denkfiguren immer noch verblüffend aktuell.

Können Sie uns eine nennen?

Sacha Szabo: Mich persönlich inspiriert der Marx´sche Fetischbegriff. Marx führt aus, dass das Kapital akkumulierte unsichtbare Arbeit ist. Die Arbeit selbst ist völlig unsichtbar, so dass die Ware, das Produkt scheinbar ein Eigenleben führt. Etwas, das treffend den digitalen Börsenkapitalismus beschreibt.

Digitaler Börsenkapitalismus?

Sacha Szabo: In Sekundenbruchteilen werden gigantische Kapitalmassen transkontinental transferiert und das völlig losgelöst von den konkreten wirtschaftlichen Daten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Prozess ein autopoetischer ist. So wies Marx eben auch darauf hin, dass der Fetisch daraus resultiert, dass es Arbeitende und Arbeit-Lassende, also Besitzende gibt. Heutzutage sagt man dazu „systemrelevant“ Akteure.

Aber man kann doch nicht die Märkte kollabieren lassen.

Sacha Szabo: Der Kollaps gehört zum Markt, wie dies Schumpeter beschrieb. Es ist eine Art „schöpferischer Zerstörung“, Tyler Durden aus Fight Club nennt das den „Nullpunkt“. Wissen Sie, inzwischen wird der Marktbegriff selbst zum Fetisch.

Das müssen Sie jetzt aber ausführen.

Sacha Szabo: Bei jeder Nachricht heißt es: Das könnte die Märkte „beunruhigen“. Ruhige Märkte kann es aber gar nicht geben, das hieße man hätte Planwirtschaft. Verblüffenderweise kommt aber die Warnung von den Gegnern der Planwirtschaft.

Sind Sie jetzt für oder gegen den offenen Markt.

Sacha Szabo: Ich habe ein Problem mit der Kapitalakkumulation. Das System „lebt“ in gewisser Weise, es flottiert und wenn an einer Stelle durch bestimmte Regeln Kapital akkumuliert wird, ist das eine Art Thrombose. Es wird ja nicht zufällig akkumuliert, sondern ein am Selbsterhalt interessiertes System initiiert dies. Was mich interessiert und fasziniert ist die Spekulation selbst.

Das ist jetzt nicht Ihr ernst?

Sacha Szabo: Doch die Spekulation, also sich eine Vorstellung über Zukünftiges zu machen und die Pläne auf diesen Zustand hin auszurichten, ist die Spezialität des Menschen. Dies hat der Berliner Soziologe Uerz ausgeführt. Man kann also sagen, der Mensch ist sich der Unsicherheit seiner Pläne bewusst: Die Spekulation ist eine anthropologische Konstante.

Können Sie das weiter ausführen?

Sacha Szabo: Die Termingeschäfte dienten ja zuerst dazu, die Unwägbarkeit der Zukunft planbar zu machen, indem jetzt mögliche Szenarien antizipiert wurden und so erhielten die Akteure Planungssicherheit. Inzwischen ist die Börse auch eine Art Realitätsprüfung. Ich versuche mir ein Bild zu machen und überprüfe meine These, indem ich Geld einsetze und wenn ich Recht behalte, habe ich mehr Geld. Geld wird damit zum Indikator für Wirklichkeit. Die Börse hat dazu noch die Qualität eines Spiels. Ich agiere situativ und wenn ich Glück habe, ist mein Erfolg ein Geschenk des Schicksals.

Da würden Ihnen aber die Banker widersprechen.

Sacha Szabo: Ich hoffe doch, sonst hieße das, Sie würden Ihren eigenen Daten misstrauen. Aber ich darf ja schon einwenden, dass diese Daten nur innerhalb des jeweiligen Erklärungsmodells Gültigkeit haben und so haben wir ja beispielsweise lauter unterschiedliche Analysemodelle. Ich persönlich mag die Optik der Charttechnik, ein wenig hat sie etwas von der Erstellung von Horoskopen.

Herr Szabo, wir bedanken uns für das Gespräch.

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